
Mit The Hunter hat die Band, die mit den Alben Remission, Leviathan, Blood Mountain und Crack The Skye die Hardrock-Szene des 21. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat, ein weiteres weltbewegendes, energiegeladenes Meisterwerk erschaffen. Auch wenn bisher jedes Album seinen Vorgänger hinsichtlich der Erwartungen an musikalische Innovation und Verkäufe übertroffen hat, ist The Hunter ihr bislang ehrgeizigstes Werk. Brent Hinds (Gitarre/Gesang), Brann Dailor (Schlagzeug/Gesang), Troy Sanders (Bass/Gesang) und Bill Kelliher (Gitarre) haben ein Album kreiert, dass einfach anders ist - selbst für Mastodon-Verhältnisse. Während sie auf ihren bisherigen Platten immer eines der vier Elemente als roten Faden gewählt haben, geht es auf The Hunter eher darum, das zu tun worauf man Lust hat, als einer bestimmten Storyline zu folgen. "We've always had this umbrella or a theme that we've written everything under," sagt Troy. "To us, it made sense as one cohesive story. This time, we freed ourselves up to try something new. It was really the next step for us, and I'm glad we took it."
Diese neue Spontanität ist auf dem gesamten Album spürbar - vom melodischen und doch harten „Blasteroid" bis hin zur wilden, kraftvollen Single „Curl of the Burl", von schönen Harmonien zu dämonischen, düsteren Growls; The Hunter steckt voller Überraschungen. Trotz aller Härte strotzt das Album aber selbstverständlich noch immer vor Musikalität. Außerdem ist The Hunter aufgrund einiger schwieriger Umstände während des Entstehungsprozesses das bislang emotional forderndste Album der Band. Im Dezember 2010 starb Brent Hinds Bruder auf der Jagd an einem Herzinfarkt, kurz darauf verlor eine Freundin der Band ihren langen Kampf gegen den Krebs.
Das Material für die Platte wurde größtenteils auf der Tour mit Alice in Chains geschrieben, und die Aufnahmen fanden Anfang dieses Jahres innerhalb von 6 Wochen zwischen Los Angeles und Atlanta statt. Mastodon setzten ihre Tradition fort, mit Traditionen zu brechen und wählten Mike Elizondo als Produzenten, der eher für seine Arbeit im Hip Hop Sektor bekannt ist. Und erneut hat sich ihr Mut zum Risiko ausgezahlt.
The Hunter ist so aggressiv wie nachdenklich, so modern wie old-school. Natürlich ist die Gitarrenarbeit wieder meisterlich, sowie auch die Fähigkeit der Band, innerhalb kürzester Zeit von einer Musikrichtung in eine völlig andere zu wechseln. Am Songwriting waren alle Bandmitglieder beteiligt, und Sanders singt sogar um einiges mehr als auf den bisherigen Alben ("I never thought I'd be one of the main vocalists . . . on any record," lacht er). Gleiches gilt für Dailor, der bereits auf dem Vorgängeralbum gute gesangliche Arbeit geleistet hatte, nun viele weitere Facetten einbringen konnte und The Hunter somit noch vielschichtiger machte.
Einer der Ansprüche, die Mastodon für The Hunter an sich selbst gestellt haben, war, ihre normalerweise komplexe Art Musik zu schreiben zu vereinfachen. Früher hat die Band versucht, so viele Elemente wie möglich erst einmal zusammenzuwerfen und dann eine gewisse Ordnung reinzubringen. Auf dieser Platte jedoch haben sie sich zurückgehalten und den Songs mehr Luft zum Atmen gegeben.
Zum Glück sind Mastodon ihren Instinkten gefolgt, denn dadurch haben sie das beste Album ihrer Karriere erschaffen. Andererseits, wen überrascht das noch wirklich? Die Band stand bereits auf der Bühne bei so wichtigen Festivals wie dem Coachella, Sonisphere oder auch Bonnaroo, was sie ungewöhnlich vielseitigen Musikfans nähergebracht hat - Fans, die an der Qualität der Musik interessiert sind und die sich nicht von engstirnigen Genreangaben in die Falle locken lassen. Das alles haben sie nur deswegen erreicht, weil sie nie den einfachsten Weg gegangen und immer ihrem Gefühl - sowie der Liebe für gute Riffs - gefolgt sind.












